Projekte Blog Kontakt
← Zurück zum Blog

Mein Laptop blieb zu, also zogen meine KI-Assistenten auf einen Server um

Mein Laptop blieb zu, also zogen meine KI-Assistenten auf einen Server um

Sonntag, 11:52 Uhr, am Flughafen. Ich starrte auf meinen Laptop und fing an zu rechnen. Klappe ich den Deckel jetzt zu, geht er tagelang nicht mehr auf. Und auf diesem Laptop wohnen sieben meiner KI-Assistenten.

Sieben Helfer, ein Deckel

Jeder von ihnen hat seine Aufgabe. Einer hält meine Finanzen in Ordnung. Einer paukt jeden Tag Deutsch mit mir. Einer kümmert sich um die Werkstatt, samt 3D-Drucker. Sie chatten mit mir in Telegram, lesen meine Notizen und wissen noch, was wir letzte Woche abgemacht haben. Genau dafür sind sie da: Ich sage zwei Worte, und sie wissen schon, worum es geht.

Alle sieben liefen auf dem Laptop. Zu Hause spielte das nie eine Rolle, denn dort schläft der Laptop einfach nie. Unterwegs dagegen: Deckel zu, und alle sieben verstummen mitten im Satz.

Erster Versuch: Umzug von Hand

Also habe ich den Umzug direkt vom Gate aus erledigt. Um 12:14 Uhr antworteten alle sieben schon von einem Server aus. Zweiundzwanzig Minuten, ohne großes Theater.

Es lief. Aber es war auch eine Einbahnstraße. Für den Rückweg hätte ich alles noch einmal andersherum machen müssen, wieder von Hand. Bis dahin gab es alles doppelt, und laufen durfte genau eine Kopie.

Zweiter Versuch: noch ein Haushalt

Später am Tag schlug die KI die „saubere“ Lösung vor: ein separates System auf dem Server, mit eigenen Daten, das immer dann übernimmt, wenn ich verreise.

Da bin ich auf die Bremse getreten. „Ich habe das Gefühl, du baust ein komplett paralleles System“, sagte ich. „Ich will das Gegenteil. Eine Symbiose.“

Wenn jede Kopie ihr eigenes Gedächtnis hat, erinnern sich die beiden nach einer Woche an unterschiedliche Dinge. Die eine erfährt, dass ich eine Rechnung bezahlt habe, die andere nicht. Die eine weiß, dass der Termin verschoben wurde, die andere erinnert mich an die alte Uhrzeit. Und ab da weiß man nie so genau, mit welcher von beiden man gerade redet.

Zwei Wege, einen schlafenden Laptop zu vertreten: eine parallele Kopie, bei der Laptop und Server jeweils ein eigenes Gedächtnis haben, oder ein Assistent, der auf beiden Computern wohnt und ein gemeinsames Gedächtnis nutzt
Links: was die KI vorgeschlagen hat. Rechts: was wir gebaut haben.

Ein Assistent, zwei Computer

Was wir stattdessen gebaut haben, ist schnell erklärt. Auf beiden Rechnern läuft derselbe Code. Dieselben Daten werden hin- und herkopiert. Und eine Regel hält alles zusammen: Es antwortet immer nur einer.

Solange der Laptop wach ist, antwortet er. Meldet er sich etwa zwei Minuten lang nicht, springt der Server ein und führt das Gespräch weiter. Fahre ich den Laptop sauber herunter, übernimmt der Server sofort. Sobald der Laptop wieder aufwacht und eine Minute lang stabil läuft, geht das Gespräch an ihn zurück.

Flussdiagramm: Eine Nachricht kommt an; ist der Laptop wach, antwortet er; meldet er sich etwa zwei Minuten lang nicht oder wurde er sauber heruntergefahren, antwortet der Server; sobald der Laptop wieder da ist und eine Minute lang stabil läuft, antwortet er wieder
Wer gerade antwortet. Beide Computer lesen und schreiben im selben Gedächtnis.

Das alles hat die KI an einem Abend gebaut. Sie fing um 21:21 Uhr an, und um 00:25 Uhr lief die automatische Umschaltung. Danach kam der Probelauf, die ganze Nacht hindurch: Wir haben das Gespräch absichtlich von einem Computer zum anderen geworfen. Dreizehn Testnachrichten. Keine ging verloren, keine kam doppelt an.

Zeitleiste des Tages: 11:52 Uhr am Flughafen; 12:14 Uhr sind alle sieben Assistenten von Hand umgezogen; später wird das parallele System abgelehnt; 21:21 Uhr beginnt der Bau; 00:25 Uhr läuft die automatische Umschaltung; nachts ein Probelauf mit 13 Testnachrichten, keine verloren und keine doppelt
Ein Tag, zwei Computer.

Warum das hält

Weil es nicht mehr zwei Assistenten gibt. Es gibt nur noch einen, und der wohnt an zwei Orten. Sein Gedächtnis und seine Notizen sind auf beiden Rechnern dieselben, deshalb bekommt er von einem Umzug gar nichts mit. Er macht mit demselben Kontext genau da weiter, wo er aufgehört hat, egal, welcher Computer gerade wach ist.

Am nächsten Morgen habe ich eine Ausnahme gemacht. Ein einziger Assistent wohnt jetzt nur auf dem Laptop, damit nie Zweifel aufkommen, welcher Computer geantwortet hat. Nachrichten an ihn warten einfach, bis der Laptop wieder da ist.

Was stattdessen kaputtging

Die nächsten zehn Tage blieb der Laptop zu, und den Assistenten ging es gut.

Kaputt ging alles drumherum. Eine kurze Sprachnachricht, die bis zu elf Minuten brauchte, um als Text zurückzukommen. Ein Dashboard, das steif und fest behauptete, der Laptop schlafe, weil die Hälfte seiner Zahlen immer nur vom Laptop kam. Davon erzähle ich beim nächsten Mal.

Und jetzt eine Frage an dich: Was funktioniert in deinem Leben nicht mehr, sobald du deinen Laptop zuklappst?

Stack: Claude Code · Telegram · Python

Fragen zu diesem Beitrag? Oder haben Sie etwas Ähnliches gebaut? Schreiben Sie mir →